Wie viele SMS einer Kampagne erreichen ein Telefon, das noch klingelt? Diese Frage kommt vor allen Vorteilen des SMS-Marketings; der Grundlagenartikel SMS-Marketing erklärt, wie der Kanal funktioniert. Die üblicherweise genannten Raten (97 % Lesequote, 5 bis 15 % Klickrate) stammen von Anbietern, ohne dass die Berechnungsbasis (gesendet oder zugestellt) angegeben wäre. Die Arcep, die französische Regulierungsbehörde, meldet dagegen für Ende 2025 in Frankreich eine SIM-Kündigungsrate von 4,0 % pro Quartal bei Postpaid und von 29,5 % bei Prepaid (ein Teil dieser Nummern lebt bei einem anderen Anbieter weiter). Jeder Vorteil unten nennt deshalb sein Maß und seine Quelle, dazu die Bedingung, die ihn wahr macht: ein Bestand aktiver Nummern und ein regelkonformer Versand.
Lesen und Klicken: Anbieterzahlen samt Bezugsgröße lesen
1. Gelesen nach 4 Minuten, ohne Lesebestätigung
Das Whitepaper von smsmode (2022), das auch Klaviyo aufgreift, beziffert die Lesequote einer SMS auf 97 % und die durchschnittliche Zeit bis zum Lesen auf 4 Minuten. Die 98 %, die anderswo kursieren, werden mal Gartner, mal der Mobile Marketing Association zugeschrieben; eine einsehbare Primärstudie dahinter haben wir nicht gefunden. Das SMS-Protokoll kennt einen Zustellbericht, aber keinen Lesebericht (Spezifikation 3GPP TS 23.040): Die Lesequote wird deshalb aus Klicks und Antworten abgeleitet. Die Geschwindigkeit ist belastbar. Die Prozentzahl hat nur dann Aussagekraft, wenn man weiß, auf welche Nachrichten sie sich bezieht.
2. Klickrate auf E-Mail-Niveau, häufigere Bestellungen
SMS-Kampagnen erreichen bei Klaviyo (2025) im weltweiten Durchschnitt 5,76 % Klickrate, bei einer Spanne von 5 bis 15 %; die E-Mail kommt in Frankreich laut DMA France auf 5,3 %. Der Abstand bei der Klickrate ist gering. Klaviyo nennt dagegen eine 2- bis 5-mal höhere Conversion-Rate bis zur Bestellung als bei einer Standard-E-Mail, eine Anbieterzahl, die man auch als solche lesen sollte. Den Vergleich Kanal für Kanal finden Sie in SMS-Marketing vs. E-Mail-Marketing.
| Kennzahl | SMS | |
|---|---|---|
| Lesen bzw. Öffnen | 97 % (smsmode, 2022) | 18,22 % (DMA France) |
| Durchschnittliche Klickrate | 5,76 % (Klaviyo, 2025, weltweit) | 5,3 % (DMA France) |
| Durchschnittliche Abmelderate | 0,16 % (smsmode, 2024) | 0,22 % (DMA France) |
Die erste Zeile vergleicht zwei unterschiedliche Messgrößen: Die Öffnungsrate einer E-Mail beruht auf einem Tracking-Pixel, das Lesen einer SMS auf einer Schlussfolgerung.
Reichweite und Kosten: 84,9 Millionen SIM-Karten, davon 1,8 Millionen inaktiv
3. Eine Reichweite, die der SIM-Karte folgt
84,9 Millionen SIM-Karten (ohne M2M) waren am 31. Dezember 2025 in Frankreich in Betrieb, das entspricht einer Penetrationsrate von 123,7 % (Arcep). SMS nutzt das Mobilfunknetz ohne Internetverbindung; 2025 wurden in Frankreich 15,26 Milliarden Push-SMS verschickt, 7,51 % mehr als im Vorjahr, laut dem im Februar 2026 veröffentlichten Barometer des Branchenverbands af2m. Bleibt ein Detail der Definition. Der Bestand ist zu 97,9 % aktiv; die übrigen Karten, rund 1,8 Millionen (84,894 minus 83,068 Millionen), sind nach der Definition des aktiven Bestands, die die Arcep verwendet, Prepaid-Karten ohne Anruf, SMS oder Datenverbindung seit 3 Monaten. Im vierten Quartal 2025 haben außerdem 1,656 Millionen Nummern den Anbieter gewechselt. Sie bleiben erreichbar. Das Ursprungsnetz Ihrer Kundendatei ist aber nicht mehr zwingend das richtige.
4. Kosten, die pro zugestellter SMS zählen
Der Preis eines Guthabens hängt vom Volumen ab; die Preisstaffeln erklärt der Artikel über Low-Cost-SMS. Die Rechnung liest sich trotzdem anders: Bei Anbietern, die pro Versand abrechnen, verbraucht eine SMS an eine nicht mehr vergebene Nummer ein Guthaben, ohne je zu klingeln. Bei 20 000 Sendungen verpuffen pro Prozentpunkt ungültiger Nummern 200 Guthaben. Der ROI einer Kampagne teilt den zugeordneten Umsatz durch die verbrauchten Guthaben; verlorene Guthaben blähen den Nenner auf. Die Abrechnungsart gehört deshalb zu den Kriterien des Leitfadens zur Wahl eines SMS-Anbieters.
Einsatzfälle: von der Terminerinnerung bis zum Flash Sale
5. Überwiegend transaktionale Nutzung
Eine Terminerinnerung am Vortag, ein Lieferkode: Solche Service-SMS machten 2025 laut af2m 9 von 15,26 Milliarden Nachrichten aus, also 59,2 %, gegenüber 6,2 Milliarden Werbenachrichten (40,8 %). Nach Branchen entfallen 31 % der Sendungen auf den Handel und 19 % auf Banken und Versicherungen. Terminerinnerung und Buchungsbestätigung zählen zu dieser Kategorie der Servicenachrichten.
Im E-Commerce holt der abgebrochene Warenkorb einen bekannten Kunden in dem Moment zurück, in dem die Kaufabsicht noch heiß ist. Die französische Datenschutzbehörde CNIL lässt die Ausnahme „Bestandskunde“ jedoch nicht gelten, wenn es keinen Kauf gab, auch bei einem online angelegten Konto: Im Umkehrschluss setzt eine Warenkorb-SMS an dieses Profil eine gesondert eingeholte Einwilligung voraus. Der Flash Sale gehört dagegen zur Werbung, mit ihren Regeln für Einwilligung und Uhrzeiten (siehe unten); Beispiele für Kampagnen, die funktionieren, zeigen das Format.
6. Segmentierung, die die Kundenbindung stärkt
Die Segmentierung nach Datum des letzten Kaufs oder nach durchschnittlichem Warenkorb entscheidet, wer welche Nachricht bekommt; die Personalisierung mit Vornamen und passendem Angebot setzt diese Logik fort, mit einem wiedererkennbaren Absendernamen. Die af2m-Charta 2026 begrenzt ihn auf 11 alphanumerische Zeichen, verlangt eine klare Erkennbarkeit der Marke und verbietet Felder, die einer Telefonnummer ähneln. Eine Datenbank voller toter Nummern zu segmentieren heißt, Nachrichten ohne Empfänger zu personalisieren.
7. Eine Ergänzung zur E-Mail, mit RCS als Nachhut
Eine ausführliche E-Mail, die in einem überfüllten Posteingang untergeht, dann eine SMS-Erinnerung, wenn das Angebot ausläuft: Beide Kanäle decken denselben Kundenweg ab; ein Kurzlink in der SMS misst den Klick. RCS holt auf. Der af2m zählt in Frankreich 52 Millionen kompatible Smartphones (84 % des Bestands) und 738 aktive Marken im Jahr 2025, 75 % mehr als ein Jahr zuvor, mit einem gemeinsamen Opt-in für SMS und RCS seit der Charta 2026. Die Einsatzfälle der RCS-Nachrichten und das Angebot für berufliche SMS vertiefen diesen Punkt.
Nummernbestand: der Multiplikator, den diese 7 Vorteile voraussetzen
Die Rechnung passt in eine Zeile: tatsächliche Klickrate = Klicks ÷ zugestellte SMS. Bei 20 000 Sendungen, davon 1 000 an nicht mehr vergebene Nummern, ergeben 950 Klicks 5,0 % der zugestellten und 4,75 % der gesendeten SMS; der Abstand wächst mit dem Alter der Datenbank. Ein HLR Lookup fragt die Netzbetreiber in Echtzeit ab, zeigt, ob eine Nummer aktiv ist, und meldet nicht vergebene oder unbekannte Nummern; der von CaptainVerify liefert zusätzlich den aktuellen Netzbetreiber und den Portierungsstatus. Ein Telefon, das nur ausgeschaltet ist, ist nicht dasselbe wie eine gekündigte Nummer. Eine nicht vergebene Nummer entspricht einem Hard Bounce bei E-Mails: Der Versand kann nicht ankommen. Erst nach dem Versand zu filtern bringt das Guthaben nicht zurück, das bei Anbietern mit Abrechnung pro Versand bereits verbraucht ist; diese Listenhygiene gehört davor. Der HLR sagt nichts über die Einwilligung, die man anderswo nachweist. Vor jeder Kampagne:
- Die betroffenen Mobilnummern extrahieren und Dubletten entfernen.
- Den Auszug durch den HLR Lookup laufen lassen.
- Nicht vergebene Nummern aussortieren und aktive behalten, auch die, die den Anbieter gewechselt haben.
- Versenden, dann Klicks, STOP und Conversions auf die zugestellten SMS beziehen.
Ob Ihre Datenbank noch trägt, erfahren Sie nur, wenn Sie vor der nächsten Kampagne eine Stichprobe durch den HLR Lookup schicken. Die Filter der Netzbetreiber spielen danach ihre Rolle, die im Artikel zur SMS-Zustellbarkeit beschrieben ist.
Rechtsrahmen in Frankreich: was das Gesetz regelt, was die Charta regelt
In Frankreich geht keine Werbe-SMS ohne vorherige Einwilligung des Empfängers raus, mit einer Ausnahme: Kunden, die bereits ein ähnliches Produkt oder eine ähnliche Dienstleistung gekauft haben (Artikel L34-5 des französischen Code des postes et des communications électroniques, nachzulesen auf Légifrance). Die CNIL verlangt eine wirksame Einwilligung im Sinne der DSGVO (freiwillig, für den bestimmten Fall, in informierter Weise und unmissverständlich), also ein eigenes, nicht vorangekreuztes Kästchen; die Zustimmung zu den Allgemeinen Geschäftsbedingungen genügt nicht. Die DSGVO definiert die Einwilligung in Artikel 4 Nr. 11 und garantiert das Widerspruchsrecht in Artikel 21. Im B2B-Bereich tritt in Frankreich das Widerspruchsrecht an die Stelle der vorherigen Einwilligung. Jede Sendung muss den Werbetreibenden nennen und eine einfache Ablehnung ermöglichen, ohne andere Kosten als die der Übermittlung. Die DSGVO im E-Mail-Marketing folgt derselben Nachweislogik.
Sanktionen gibt es: Die CNIL hat mit Beschluss vom 15. Mai 2025 gegen einen Datenhändler eine Geldbuße von 900 000 Euro verhängt, unter anderem wegen unwirksamer und nicht nachweisbarer Einwilligungen.
Die zweite Ebene ist berufsständisch. Verstöße gegen die Charta Business Messaging 2026 des Verbands af2m können dazu führen, dass die Zustellung der Nachrichten unterbrochen wird, was sie für jeden Absender zu einer konkreten Vorgabe macht.
„auf die Herausforderungen von Vertrauen und Betrugsbekämpfung zu antworten“ (Alexis Trichet, Präsident der af2m, Februar 2026, aus dem Französischen übersetzt)
| Regel | Herkunft | Inhalt |
|---|---|---|
| STOP-Hinweis | af2m-Charta 2026 | Stichwort STOP, Abmelde-URL oder RCS-Button; nie kostenpflichtig |
| Uhrzeiten für Werbung | af2m-Charta 2026 | 8 bis 21:30 Uhr; Montag bis Samstag empfohlen; Sonntag und Feiertage geduldet, aber nicht empfohlen (Charta in Kraft seit 1. März 2026) |
| Funktionale Nachrichten | af2m-Charta 2026 | Lieferung, Authentifizierung: keine Uhrzeitbeschränkung |
| Absendername | af2m-Charta 2026 | höchstens 11 Zeichen, alphanumerisch, Marke erkennbar |
Der STOP-Hinweis hat einen eigenen Leitfaden: SMS und STOP-Regel. Für die Versandhäufigkeit nennt Artikel L34-5 keine Obergrenze; die Abmelderate (im Schnitt 0,16 % bei smsmode, 2024) dient als Thermometer.
Häufige Fragen
Braucht eine Transaktions-SMS eine Einwilligung?
Die CNIL behandelt Nachrichten, die zur Erfüllung eines Vertrags oder einer angefragten Leistung nötig sind, gesondert: Sie fallen aus der Regelung zur Werbeansprache heraus. Sobald ein Angebot hinzukommt, kehrt der Werbezweck zurück und mit ihm die Einwilligung.
Darf man eine Marketing-SMS an eine geschäftliche Nummer schicken?
Ja, im Rahmen des Widerspruchsrechts. Die CNIL empfiehlt, ein standardmäßig nicht angekreuztes Widerspruchskästchen anzubieten; die Ablehnung muss bei jeder Sendung möglich bleiben.
Was tun mit einem Kontakt, der STOP antwortet?
Die Nummer vor dem nächsten Versand aus der Liste nehmen. Die af2m-Charta verlangt eine Bearbeitung in kürzester Frist und schließt eine kostenpflichtige oder an einen umständlichen Ablauf geknüpfte Abmeldung aus. Wer die Anfrage dokumentiert, kann belegen, dass sie erfüllt wurde.
Grenzen: was 160 Zeichen nicht tragen
Eine SMS fasst 160 Zeichen im GSM-Alphabet und nur 70, sobald ein einziges Zeichen außerhalb dieses Alphabets (ein Emoji oder ein Buchstabe mit Akzent wie â, ê, î, ô, û) die UCS-2-Kodierung erzwingt (3GPP TS 23.038); darüber hinaus wird die Nachricht in Segmente zu 153 bzw. 67 Zeichen geteilt (Verkettung, TS 23.040). Der Artikel über Emojis in beruflichen SMS beschreibt diesen Zielkonflikt. Eine SMS trägt weder Bild noch Button, das Opt-in verkleinert das Publikum auf jene, die Ja gesagt haben, und die Netzbetreiber filtern verdächtige Sendungen. Die Benchmarks in diesem Artikel stammen von Plattformanbietern und Berufsverbänden: Ihre Größenordnung taugt für ein Budget, ihre Nachkommastelle beweist nichts.
Eine SMS zählt erst, wenn sie angekommen ist.
